Mandoline mit den Fingern zupfen: Was geht und was nicht

Titelgrafik „Fingerstyle“: eine Tabulatur mit Bundzahlen auf vier SaitenKI-generiert

Die Mandoline ist ein Plektrum-Instrument. Mit den Fingern lässt sie sich trotzdem spielen, nur anders und leiser. Hier steht, wofür sich Fingerspiel eignet, wo seine Grenzen liegen und mit welchen drei Mustern du anfangen kannst.

Warum fast alle mit Plektrum spielen

  • Doppelsaiten: Ein Plektrum trifft beide Saiten eines Paares in einer Bewegung. Eine Fingerkuppe erwischt leicht nur eine oder beide ungleich laut.
  • Kurzer Ton: Mandolinentöne klingen schnell aus. Lange Töne hält man mit Tremolo, und das gelingt mit den Fingern kaum so gleichmäßig.
  • Lautstärke: Stahlsaiten mit hoher Spannung brauchen einen kräftigen Anschlag. Mit den Fingern klingt die Mandoline deutlich leiser.

Deshalb setzen Unterricht und Lehrwerke fast immer auf das Plektrum. Fingerspiel ist eine Ergänzung für bestimmte Klänge, kein Ersatz.

Wofür sich Fingerspiel eignet

  • leise Begleitung zum Singen, etwa abends in der Wohnung
  • gebrochene Akkorde, bei denen jedes Saitenpaar einzeln klingt
  • ein weicher, runder Ton, wenn der Daumen über ein Saitenpaar streicht
  • zwei Paare gleichzeitig, die nicht nebeneinanderliegen, zum Beispiel G und A

Die Handhaltung

Der Daumen übernimmt das G-Paar, Zeige-, Mittel- und Ringfinger das D-, A- und E-Paar. Zupfe mit der Fingerkuppe und zieh den Finger so durch, dass er beide Saiten des Paares mitnimmt. Der kleine Finger darf sich leicht auf der Decke abstützen. Kurze Fingernägel sind für den Anfang am einfachsten.

Drei Muster zum Anfangen

Greife für alle drei Muster G-Dur (0-0-2-3) und spiele langsam mit dem Metronom bei 60 Schlägen, ein Ton pro Klick.

KI-generiertMuster 1: aufwärtsGDAE0D0Z2M3R0D0Z2M3RFingerMuster 2: auf und abGDAE0D0Z2M3R2M0Z0D0ZFingerMuster 3: Daumen im WechselGDAE0D2M0Z3R0D2M0Z3RFinger
D = Daumen, Z = Zeigefinger, M = Mittelfinger, R = Ringfinger. Die Zahlen sind die Bünde des G-Dur-Griffs.

Klappt ein Muster gleichmäßig, wechsle beim Spielen den Griff, zum Beispiel zwischen G, C und D aus der Akkord-Bibliothek.

Zehn Minuten zum Einstieg

MinutenÜbung
0–2Nur der Daumen: das G-Paar gleichmäßig anschlagen, bis beide Saiten gleich laut klingen
2–5Muster 1, sehr langsam; nach jedem Durchgang kurz absetzen
5–8Muster 2 ohne Pause, vier Durchgänge am Stück
8–10Muster 1 über den Wechsel G – C – G
Wenn beide Saiten eines Paares klingen, ist das Tempo richtig. Sonst langsamer.

Wo Fingerspiel an Grenzen kommt

Schnelle Melodien und alles mit Tremolo bleiben Sache des Plektrums. Auch im Zusammenspiel mit Gitarre oder Geige geht ein gezupfter Ton schnell unter. Wer einen weicheren Klang sucht, ohne das Plektrum wegzulegen, kann ein dickeres Modell mit runder Spitze probieren (Plektren für Mandoline).

Häufige Fragen

Brauche ich lange Fingernägel?

Nein. Mit der Fingerkuppe klingt es weicher, mit etwas Nagel heller. Lange Nägel an der Greifhand stören dagegen beim Greifen.

Kann ich Zupfmuster von der Gitarre übernehmen?

Die Bewegung ja, die Töne nicht: Die Mandoline ist anders gestimmt und hat vier Saitenpaare. Muster, die auf der Gitarre vier Saiten nutzen, lassen sich gut übertragen.