Die Mandoline in ihrer heutigen Form entstand Mitte des 18. Jahrhunderts in Neapel. Ihre Vorläufer sind älter, ihre bekannteste amerikanische Bauform deutlich jünger. Ein Überblick mit den wichtigsten Stationen.
Kurz gesagt
- Vorläufer sind kleine Lauten; im Barock spielte man den Mandolino mit Darmsaiten.
- Um 1750 entstand in Neapel die Mandoline mit vier Doppelsaiten in Quinten, gestimmt wie die Geige.
- Um 1900 erlebte sie eine Blüte in Mandolinenorchestern, in Deutschland auch in Jugend- und Arbeiterbewegung.
- In den USA entwickelte Gibson die gewölbte Bauform; 1922 kam die F-5, das Vorbild der Bluegrass-Mandoline.
Vorläufer: kleine Lauten
Die Mandoline gehört zur Familie der Lauten. Seit dem späten 16. Jahrhundert ist in Frankreich die Mandore belegt, eine kleine Laute mit wenigen Saiten. In Italien hieß ein ähnliches Instrument Mandola; „Mandolino“ ist die Verkleinerungsform davon.
Barock: der Mandolino
Der Mandolino des 17. und frühen 18. Jahrhunderts hatte vier bis sechs Saitenpaare aus Darm, war überwiegend in Quarten gestimmt und wurde mit den Fingern oder einem Federkiel gezupft. Für dieses Instrument schrieb Antonio Vivaldi seine Mandolinenkonzerte, darunter das Konzert in C-Dur RV 425 von 1725. Heute wird es meist auf der modernen Mandoline gespielt.
Neapel um 1750: die Mandoline bekommt ihre Form
Mitte des 18. Jahrhunderts entstand in Neapel ein neuer Typ: vier Doppelsaiten, in Quinten gestimmt auf G, D, A und E wie die Geige, gespielt mit einem Plektrum. Eng verbunden ist er mit der Instrumentenbauer-Familie Vinaccia. Geiger konnten die Griffe direkt übertragen. Im 19. Jahrhundert gab Pasquale Vinaccia (1806–1882) dem Instrument die Merkmale, die bis heute gelten: ein längeres Griffbrett, Stahlsaiten und Stimmmechaniken statt Holzwirbeln.
Klassik: Mozart, Beethoven und eine deutsche Schule
In Mozarts Oper „Don Giovanni“ von 1787 begleitet eine Mandoline die Kanzonette „Deh vieni alla finestra“. Ludwig van Beethoven schrieb mindestens sechs Stücke für Mandoline, von denen vier erhalten sind. 1805 erschien mit der Schule von Bartolomeo Bortolazzi ein Lehrwerk in deutscher Sprache.
Um 1900: Orchester und eine zweite Blüte
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Mandoline zum Instrument für viele. In Italien, Frankreich und Deutschland entstanden Mandolinenorchester. Der Neapolitaner Raffaele Calace (1863–1934) war Spieler, Komponist und Instrumentenbauer zugleich und hinterließ rund 200 Werke, die bis heute im Zupforchester gespielt werden. Auch die Orchestermusik griff das Instrument auf: Gustav Mahler setzt es in seiner 7. Sinfonie ein, Arnold Schönberg in der Serenade op. 24.
Deutschland: Jugendbewegung, Vereine, Verband
In der Jugendbewegung der 1920er-Jahre gehörte die Mandoline neben der Gitarre zu den Instrumenten, mit denen man Lieder begleitete. Zur selben Zeit organisierten sich die Spieler: 1919 gründete sich ein Bund der Mandolinen- und Gitarrenspieler, 1923 ein eigener Bund der Arbeiter-Mandolinisten. Aus beiden ging 1963 der Bund Deutscher Zupfmusiker (BDZ) hervor, der heutige Dachverband.
USA: von Orville Gibson zum Bluegrass
Einwanderer brachten die Mandoline im 19. Jahrhundert nach Nordamerika. Dort ging der Instrumentenbauer Orville Gibson einen eigenen Weg: 1898 erhielt er ein Patent auf eine Mandoline, deren Decke und Boden wie bei einer Geige aus dem vollen Holz geschnitzt sind. Aus dieser Idee entstanden A-Style und F-Style (A-Style oder F-Style). 1922 stellte Gibson die von Lloyd Loar entwickelte F-5 vor, mit F-Löchern statt ovalem Schallloch. Bill Monroe machte sie ab den späten 1930er-Jahren zum Klang des Bluegrass (Die Mandoline im Bluegrass).
Die Mandoline heute
Heute leben mehrere Traditionen nebeneinander: die klassische Zupfmusik in Orchestern und Musikschulen, Bluegrass und Folk mit A- und F-Style, dazu irische Musik und gelegentliche Auftritte in Rock und Pop (Songs zum Hinhören). Welche Bauformen es gibt, zeigt die Seite Arten von Mandolinen; die größeren Verwandten stellt der Beitrag Die Mandolinen-Familie vor.
Quellen
- Metropolitan Museum of Art: Mandoline von Antonius Vinaccia
- Wikipedia (englisch): Pasquale Vinaccia
- Wikipedia (englisch): Mandolin Concerto (Vivaldi)
- Wikipedia (englisch): Beethoven’s mandolin music
- Wikipedia (englisch): Raffaele Calace
- Wikipedia: Bund Deutscher Zupfmusiker
- Wikipedia (englisch): Orville Gibson
- Wikipedia (englisch): Gibson F-5
