Drei Menschen haben die Mandoline geprägt wie kaum jemand sonst: Bill Monroe erfand mit ihr den Bluegrass, Chris Thile verbindet Bluegrass mit Bach und Pop, und Avi Avital brachte sie auf die großen Klassikbühnen. Hier erfährst du, was sie ausmacht – und was du dir von ihnen abschauen kannst.
Bill Monroe (1911–1996): der Vater des Bluegrass
William Smith „Bill“ Monroe wurde 1911 in Rosine, Kentucky, geboren. Mit seiner Band, den Blue Grass Boys, entwickelte er ab den späten 1930er-Jahren einen neuen Stil aus Old-Time-Musik, Blues und Gospel – benannt nach seiner Band und seinem Heimatstaat, dem „Bluegrass State“. 1939 wurde er Mitglied der legendären Radioshow Grand Ole Opry in Nashville.
Sein Lied „Blue Moon of Kentucky“ (1946) wurde 1954 von Elvis Presley aufgenommen und machte den Weg vom Bluegrass zum Rock ’n’ Roll hörbar. Monroe spielte eine Gibson F-5 aus den 1920er-Jahren – bis heute das Vorbild vieler F-Style-Mandolinen.
Was du von Bill Monroe lernen kannst
- Rhythmus ist alles: Der kräftige Chop auf 2 und 4 treibt die Band – siehe Chop-Akkorde.
- Blues in der Melodie: Monroe spielte gern „blue notes“ – probier die Blues-Tonleiter aus.
- Kraftvoller Anschlag: Lieber wenige Töne mit klarem Ton als viele verwaschene.
Avi Avital (* 1978): die Mandoline im Konzertsaal
Avi Avital wurde 1978 in Be’er Scheva im Süden Israels geboren und begann als Kind im Mandolinenorchester seiner Heimatstadt. 2010 war er der erste Mandolinist mit einer Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best Instrumental Soloist“ – für das Mandolinenkonzert von Avner Dorman. Er ist Exklusivkünstler der Deutschen Grammophon und spielt Bach, Vivaldi und neue Musik genauso wie Folklore aus dem Mittelmeerraum und Osteuropa.
Für Deutschland ist Avital besonders interessant: Er tritt regelmäßig hier auf und hat gezeigt, dass die Mandoline in der Klassik mehr ist als ein Folklore-Instrument – eine gute Nachricht für alle, die im Zupforchester oder klassisch spielen.
Was du von Avi Avital lernen kannst
- Singender Ton: Lange Töne mit gleichmäßigem Tremolo klingen wie eine Stimme.
- Offen für jedes Repertoire: Violinmusik passt perfekt auf die Mandoline – dieselbe Stimmung G-D-A-E.
- Dynamik: Leise spielen ist genauso wichtig wie laut. Übe bewusst piano und forte.
Chris Thile (* 1981): zwischen Bluegrass und Bach
Chris Thile wurde 1981 in Oceanside, Kalifornien, geboren. Schon als Kind gründete er 1989 mit den Geschwistern Sara und Sean Watkins das Trio Nickel Creek, 2006 folgte die Band Punch Brothers. Er nahm Bachs Violinsonaten und -partiten auf der Mandoline auf, spielte mit dem Cellisten Yo-Yo Ma und erhielt 2012 das renommierte MacArthur-Stipendium. Von 2016 bis 2020 moderierte er die US-Radioshow „Live from Here“.
Was du von Chris Thile lernen kannst
- Technik als Werkzeug: Saubere Tonleitern und Wechselschlag sind die Grundlage für seine schnellen Läufe.
- Grenzen ignorieren: Bluegrass, Klassik und Pop dürfen sich mischen – spiel, was dir gefällt.
- Langsam üben, schnell spielen: Auch Virtuosen bauen Tempo Schritt für Schritt auf – siehe Schneller spielen mit Metronom.
Weitere Namen zum Entdecken
- David Grisman – verband Bluegrass und Jazz zur „Dawg Music“.
- Sam Bush – Mitbegründer des „Newgrass“.
- Raffaele Calace – italienischer Mandolinist und Komponist, dessen Werke bis heute im Zupforchester gespielt werden.
Tipp: Hör dir von allen dreien Aufnahmen auf deinem Streamingdienst an und achte darauf, wie unterschiedlich dasselbe Instrument klingen kann. Mehr zur Rolle der Mandoline im Bluegrass steht im Beitrag Die Mandoline im Bluegrass.
